Einkünfte aus Kapitalvermögen
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QuelleBesteuerung der Einkünfte aus Kapitalvermögen
seit dem 01.01.2009
 

 

Seit dem 01.01.2009 gibt es die Abgeltungssteuer. Diese besagt, dass alle Zinseinnahmen,  Spekulationsgewinne aus dem Handel mit Wertpapieren und Dividendenzahlungen einem Steuersatz von zunächst 25% unterliegen. Hinzu kommt der Solidaritätszuschlag in Höhe von 5,5% plus eine eventuell anfallende Kirchensteuer in Höhe von 8 bzw. 9% (abhängig vom Bundesland, in dem der Wohnsitz registriert ist).

Effektiv beläuft sich die Abgeltungssteuer demnach auf mindestens:

Abgeltungssteuer = 25% + 25% * 5,5%
<=> Abgeltungssteuer = 25% + 1,375% = 26,375%

Bei einer Kirchensteuer in Höhe von z.B. 8% beläuft sich die Abgeltungssteuer auf:

Abgeltungssteuer = 25% + 25% * 5,5% + 25% * 8%
<=> Abgeltungssteuer = 25% + 1,375% + 2% = 28,375%


  • Die Abgeltungssteuer wird von den Kreditinstituten bei Auszahlung der Kapitaleinkünfte unmittelbar einbehalten und an das Finanzamt abgeführt. Pro Person können für die entsprechenden Konten oder Depots jedoch Freistellungsaufträge in Höhe von insgesamt 801 € p.a. verteilt werden (Sparer-Pauschbetrag, 1602 € für Verheiratete). Die Einkünfte werden dann, solange die Einnahmen den entsprechenden Freistellungsauftrag nicht übersteigen, vollständig ausgezahlt und bleiben von der Steuer unberührt.
  • Insofern aus dem Handel mit Wertpapieren Verluste entstanden sind, können diese mit anderen Gewinnen aus dem Wertpapierhandel verrechnet werden. Die Verrechnung geschieht allerdings nur so weit, bis keine Gewinne mehr aus dem Handel mit Wertpapieren bestehen. Weitere Verluste können nicht weiter angerechnet werden.   
  • Wertpapiere, die bis zum 31.12.2008 erworben worden sind, sind nach einer Haltefrist von einem Jahr Steuer- bzw. Abgeltungssteuer frei. Dies gilt auch bei einem Verkauf zu einem späteren Zeitpunkt (Bestandsschutz).
  • Die Einkünfte durch Zinsen, Dividenden oder Spekulationsgewinnen aus dem Handel mit Wertpapieren, die der Abgeltungssteuer unterliegen, müssen aufgrund der Abführung der Steuer von Seiten der Bank an das Finanzamt nicht mehr in der Steuererklärung aufgeführt werden (es sei denn der persönliche Steuersatz liegt unter 25%, der Sparer-Pauschbetrag ist nicht voll ausgeschöpft worden oder es sind Verluste mit Handel von Wertpapieren in verschiedenen Depots entstanden).
  • Werbungskosten wurden im Rahmen der Einführung der Abgeltungssteuer weitgehend abgeschafft.

 

Sollte der persönliche Steuersatz unterhalb von 25% liegen, wird die zu viel gezahlte Abgelstungssteuer im Rahmen der Einkommensteuer erstattet. In diesem Fall wird der persönliche Steuersatz durch die Einnahmen aus Kapitalvermögen entsprechend der Steuerprogression beeinflusst und nach oben gestuft.


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Besteuerung der Einkünfte aus Kapitalvermögen
bis zum 31.12.2008

 

Die hier berechneten Einkünfte aus Kapitalvermögen beschränken sich vorerst auf Einkünfte aus Zinseinnahmen und Dividendenzahlungen.

Weitere Einkünfte aus Kapitalvermögen entstehen meist durch eine Beteiligung an einer Kapitalgesellschaft, an einer Personengesellschaft, oder durch diverse andere finanzielle Beziehungen. Die Definition aller Varianten der Einkünfte aus Kapitalvermögen ist in §20 EstG niedergeschrieben.

Zinsen, die z.B. auf Tagesgeld-, Bauspar-, Girokonten usw. gutgeschrieben werden, unterliegen einer Kapitalertragsteuer in Höhe von 30% zzgl. Solidaritätszuschlag. Die Steuer wird, sollte kein Freistellungsauftrag oder eine Nichtveranlagungsbescheinigung vorliegen, direkt vom entsprechenden Kreditinstitut einbehalten und an das Finanzamt abgeführt.

 

Wenn die Zinsen auf einem Tagesgeldkonto sich z.B. auf 130€ belaufen, behält das Kreditinstitut folgenden Betrag zurück:

Kapitalertragsteuer = (Zinsen * 30%) + (Zinsen * 30%) * 5,5%

<=> Kapitalertragsteuer = (130€ * 30%) + (130€ * 30%) * 5,5%

<=> Kapitalertragsteuer = 39€ + 39€ * 5,5%

<=> Kapitalertragsteuer = 39€ + 2,145€ = 41,145€ » 41,14€

Die gutgeschriebenen Zinsen belaufen sich in diesem Fall auf 130€ - 41,14€ = 88,68€.

 

Die Kapitalertragsteuer bei auszuschüttenden Dividenden aus Aktien beträgt 20%. Da die Gewinne des Unternehmens jedoch durch die Körperschaftsteuer belastet sind, wird die Kapitalertragsteuer nur für die Hälfte der Dividende berechnet (Halbeinkünfteverfahren). Die Versteuerung von nur der Hälfte der Dividende geschieht allerdings erst bei der Ermittlung der Einkommensteuerlast. Das entsprechende Kreditinstitut wird zuerst die Kapitalertragsteuer auf die volle Dividende einbehalten. 

Wenn die auszuschüttenden Dividenden z.B. 80€ betragen, behält das entsprechende Kreditinstitut folgenden Betrag zurück:

Berechnungsgrundlage = 80€

Kapitalertragsteuer = (80€ * 20%) + (80€ * 20%) * 5,5%

<=> Kapitalertragsteuer = 16€ + 16€ * 5,5%

<=> Kapitalertragsteuer = 16€ + 0,88€ = 16,88€

Die ausgeschüttete Dividende beläuft sich in diesem Fall auf 80€ - 16,88€ = 63,12€.

 

Bis zu einer gewissen Grenze, kann die Einbehaltung der Kapitalertragsteuer vermieden werden.

Durch das Einreichen einer Nichtveranlagungsbescheinigung, beglaubigt man, dass die im entsprechenden Jahr erzielten Einkünfte zu gering sind, als dass eine Einkommensteuer überhaupt erhoben wird. Die Nichtveranlagungsbescheinigung macht dann Sinn, wenn die Zinseinnahmen zwar den Sparerfreibetrag übersteigen (750€), aber alle anderen Einkünfte so gering sind, dass in Summe die Einkünfte 7.664€ (Grundfreibetrag) nicht übersteigen.

Für Einnahmen aus Kapitalvermögen, gibt es den so genannten Sparerfreibetrag in Höhe von 750€. Dieser Betrag kann über Freistellungsaufträge auf verschiedene Kreditinstitute und Konten aufgeteilt werden. Liegt ein solcher Auftrag dem Kreditinstitut vor, wird bis zur Höhe des im Auftrag genannten Freibetrages keine Kapitalertragsteuer erhoben.

Fallen z.B. 850€ Zinsen an und ist ein Freistellungsauftrag über 500€ gestellt, behält das Kreditinstitut die Kapitalertragsteuer für nur 850€ - 500€ = 350€ ein.

Bei einer Dividende von z.B. 100€ und einem Freistellungsauftrag von 20€, behält das Kreditinstitut die Kapitalertragsteuer für nur 100€ - 20€ = 80€ ein.

Die Einkünfte aus Kapitalvermögen werden bei der Ermittlung des letztendlich zu versteuernden Einkommens in voller Höhe (Bruttobetrag) dem Einkommen hinzugerechnet. Sollte sich eine zu zahlende Steuerlast ergeben, wird dann die Kapitalertragsteuer als Vorauszahlung von der Steuerlast wieder abgezogen. Sollten die Einkünfte 7.664€ nicht übersteigen, wird die Steuer wieder erstattet.

Die Kirchensteuer für Dividenden berücksichtigt allerdings nicht das Halbeinkünfteverfahren. Sollten Dividenden vorliegen, wird ein zweites, fiktives zu versteuerndes Einkommen berechnet. Die daraus resultierende Einkommenssteuer dient als Grundlage für 8 bzw. 9% Kirchensteuer.


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Zuletzt aktualisiert am Sonntag, 06. Februar 2011 um 21:45 Uhr
 
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