Berechnung der Einkommensteuerlast
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  • Die Einkommensteuerlast wird auf Basis der Summe aller Einkünfte der verschiedenen Einkunftsarten abzüglich der entsprechenden Werbungskosten und Freibeträge berechnet.
  • Die Einkünfte werden laut den Erläuterungen der einzelnen Einkunftsarten zugeordnet.
    Im Rahmen von kapitaleinkommen.de werden nur die Einkunftsarten behandelt, die sinngemäß zum Kapitaleinkommen gezählt werden. 

 

Eine Beispielhafte Einkommensaufstellung, basierend auf den Beispielen der einzelnen Einkunftsarten, ist in nachfolgender Tabelle dargestellt:

 

 

Nach Abzug der entsprechenden Freibeträge und Werbungskosten für die Einkunftsarten ist in Summe ein zunächst zu versteuerndes Einkommen von 31.480,00 € + 379,00 € + 2.710,00 € + 1.200,00 € = 35.769,00 € entstanden.

Die Berücksichtigung der Abgeltungssteuer ergibt sich erst aus dem persönlichen Steuersatz. Wenn dieser über 25 % liegt, wird die Abgeltungssteuer berechnet. Liegt der persönliche Steuersatz unter 25 %, werden Einkünfte aus Kapitalvermögen entsprechend geringer besteuert.

Werbungskosten für Einkünfte aus nichtselbstständiger Arbeit werden nur dann angesetzt, wenn hierfür im Kallenderjahr mehr als 920,00 € angefallen sind. Ist dies nicht der Fall, wird, wie im Beispiel angegeben, automatisch der Werbungskosten-Pauschbetrag in Höhe von 920,00 € abgezogen
(§ 9a Satz 1 Nr. 1 a Pauschbeträge für Werbungskosten EStG).

 

Härteausgleich:

Sollte dasjenige Einkommen (nach Abzug Werbungskosten), von dem keine Lohnsteuer berechnet wird, kleiner als 410 € sein, wird das zu versteuernde Einkommen um diesen Betrag gemindert (§ 46 Abs. 2 Nr. 1 EStG).
Sollte dasjenige Einkommen, von dem keine Lohnsteuer berechnet wird, kleiner als 820 € sein (z.B. 620 €), wird das zu versteuernde Einkommen um diesen Betrag gemindert, um den dieses Einkommen geringer als 820 € ist (820 € - 620 € = 200 €).

Im Beispiel übersteigen die Einkünfte von denen keine Lohnsteuer erhoben wird allerdings auch 820 €, weshalb kein Härteausgleich vorgenommen wird.

 

Sonderausgaben:

  • Vorsorgeaufwendungen:

Wie unter Steuern/Vorsorgeaufwendungen erläutert, mag es im Beispielfall zu einer Vorsorgeaufwendung in Höhe von 4.632,82 € gekommen sein.
Um diesen Betrag wird das zu versteuernde Einkommen gemindert.

zu versteuerndes Einkommen = 35.769,00 € - 4.632,82 € = 31.136,18 €

Laut obiger Tabelle sind zunächst 441,61 € - 8,53 € = 433,08 € Kirchensteuer gezahlt worden.

zu versteuerndes Einkommen = 31.136,18 € - 433,08 € = 30.703,10 €

 

Weitere Sonderausgaben sind:

  • Unterhaltsleistungen
  • Haushaltsnahe Beschäftigungsverhältnisse
  • Steuerberatungskosten
  • Aufwendungen für die erstmalige Berufsausbildung oder ein Erststudium (bis zu 4.000 € pro Kallenderjahr)
  • begünstigte Spenden

 

Weitere steuerliche Abzüge:

  • Altersentlastungsbetrag 
  • "Außergewöhnlichen Belastungen", z.B. schwere Krankheit, Beerdigungen usw.
  • Kinderbetreuungskosten
  • Haushaltsfreibetrag
  • Verlustabzug (bei vorgetragenen Verlusten aus z.B. dem Wertpapierhandel; nur innerhalb der entsprechenden Einkunftsart) 
  • Steuerbegünstigung der zu (eigenen) Wohnzwecken genutzten Wohnungen, Gebäude und Baudenkmale sowie der schutzwürdigen Kulturgüter

 

Berechnung der Einkommensteuerlast 

Nachdem das nun beispielhafte zu versteuernde Einkommen in Höhe von 30.703,10 € ermittelt worden ist, wird nun die vorläufige Einkommensteuer und damit der persönliche Steuersatz ermittelt. Die Ermittlung geschieht zunächst vorläufig, da bis dato noch nicht klar ist, ob der persönliche Steuersatz über 25 % liegt und daher die Einkünfte aus Kapitalvermögen nach der Abgeltungssteuer besteuert werden, oder nicht.

Für die Besteuerung gibt es einen Grundfreibetrag (7.834 €), der nicht besteuert wird. Wird der Grundfreibetrag überschritten, wird das zu versteuernde Einkommen, nach folgender Staffellung besteuert (§ 32a Einkommensteuertarif EStG):

  • bis 7.834 €: Grundfreibetrag
  • 7.835 € <= zu verst. Eink. < 13.139 €:
    (939,68 * y + 1.400) * y
  • 13.140 € <= zu verst. Eink. < 52.551 €:
    (228,74 * z + 2.397) * z + 1.700 
  • 52.552 € <= zu verst. Eink. < 250.400 €:
    0,42 * x - 8.064
  • 250.401 € <= zu verst. Eink.:
    0,45 * x - 15.576

y ist ein Zehntausendstel des 7.834 € übersteigenden Teils des auf den nächsten vollen Euro-Betrag abgerundeten zu versteuernden Einkommens.

z ist ein Zehntausendstel des 13.139 € übersteigenden Teils des auf den nächsten vollen Euro-Betrag abgerundeten zu versteuernden Einkommens.

x ist das auf den nächsten vollen Euro-Betrag abgerundete zu versteuernde Einkommen.

 

Im Beispielfass beträgt das zu versteuernde Einkommen 30.703,10 € und fällt für die Berechnung der Einkommensteuerlast somit unter den zweiten Fall:

 

Einkommensteuer = (228,74 * (30.703,10€-13.139€) / 10.000 + 2.397€) * (30.703,10€-13.139€) / 10.000 + 1.700€ 

<=> Einkommensteuer = (228,74 * 17.564,10 € / 10.000 + 2.397 €) * 17.564,10 € / 10.000 + 1.700 € 

<=> Einkommensteuer = (228,74 * 1,7564 €  + 2.397 €) * 1,7564 € + 1.700 € 

<=> Einkommensteuer = (401,758936 € + 2.397 €) * 1,7564 € + 1.700 €

<=> Einkommensteuer = 2.798,758936 € * 1,7564 € + 1.700 €

<=> Einkommensteuer ≈ 4.915,74 € + 1.700 € = 6.615,74 €

 

Die Einkommensteuer beträgt folglich zunächst also 6.615,74 € (ohne Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer).

Der persönliche Einkommensteuersatz beträgt demnach:

 

persönlicher Einkommensteuersatz = Einkommensteuer / zu versteuerndes Einkommen

<=> persönlicher Einkommensteuersatz = 6.615,74 € / 30.703,10 € ≈  21,55%

 

Der persönliche Steuersatz liegt hier unterhalb 25 %, weshalb nicht die Abgeltungssteuer, sondern die bisher ermittelte Besteuerung gilt, auch für die Einkünfte aus Kapitalvermögen (Günstigerprüfung laut § 32d Abs. 6 Satz 1 EStG). Hiefür müssen die Einkünfte aus Kapitalvermögen in der Einkommensteuererklärung jedoch auch angegeben sein. 

 

Von der bisher ermittelten Einkommensteuer werden 5,5% Solidaritätszuschlag und 9 % Kirchensteuer berechnet:

Solidaritätszuschlag = 6.615,74 € * 5,5 % ≈ 363,87 €

Kirchensteuer = 6.615,74 € * 9 % ≈ 595,42 €

 

Die nun berechneten steuerlichen Lasten (Einkommensteuer, Solidaritätsbeitrag und Kirchensteuer) werden wiederum mit den Vorauszahlungen verrechnet. Da die Lohnsteuer eine Einkommensteuer ist, gilt diese als Vorauszahlung auf die hier ermittelte Einkommensteuer. Sind die Vorauszahlungen niedriger als die mit der Einkommensteuer berechneten Beträge ergibt sich eine zu begleichende Steuerschuld. Im Umgekehrten Fall kommt es zu einer Erstattung.

 

Die Gegenüberstellung der Lasten und Vorauszahlungen sei in folgender Tabelle dargestellt.

 


Im Beispielfall ergibt sich ein Fehlbetrag in Höhe von 1955,90 €, der im Rahmen der Einkommensteuer an das Finanzamt gezahlt werden müsste.


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Zuletzt aktualisiert am Sonntag, 06. Februar 2011 um 21:47 Uhr
 

Kommentare  

 
+1 #1 hajo 2012-03-30 21:39
bei der berechnung der steuer ist wohl ein übernahmefehler passiert, es sind nicht 1.700 euro sondern 1.007 euro laut der formel des § 32a (1) S. 1 Nr. 3