Energieausweis
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Beschreibung 

Seit dem 01. Juli 2008 ist allen Eigentümern von Wohnimmobilien mit einem Baujahr bis 1965, insofern sie diese vermieten, verpachten oder verkaufen wollen vorgeschrieben, auf Anfrage einen Energieausweis vorzulegen (mit Baujahr >1965 ab 01.01.2009, 01.06.2009 für Nicht-Wohngebäude). Der Energieausweis ist von der Deutsche Energie-Agentur GmbH (dena) entwickelt worden und dient zum Beispiel einem Mieter dazu, das Haus oder die Wohnung seines Interesses daraufhin einschätzen zu können, wie viel Energie für die Warmwasserversorgung und insbesondere zum Heizen der Immobilie notwendig ist bzw. wie hoch die Kosten sein werden, die auf ihn zu kommen. Die Erstellung des Energieausweises ist in der Engergieeinsparverordnung EnEV 2009 geregelt. Der Ausweis ist ab dem Ausstellungsdatum für 10 Jahre gültig.

Es gibt Energieausweise für den

  • Wohnbestand (Ein- und Mehrfamilienhaus),
  • Nicht-Wohnbestand (Büro, Verwaltung, Industrie usw.) und für
  • Öffentliche Gebäude (Bund, Länder, Kommunen).

Des Weiteren wird das Thema Energieausweis insbesondere für Wohngebäude behandelt.

Bis zum 01.10.2008 war es möglich für Wohnhäuser mit einem Baujahr bzw. Erstellungsdatum bis zum 31.10.1977 und einer Größe von bis zu vier Wohnungen einen Energieausweis lediglich auf Basis des Energieverbrauchs auszustellen. Ab spätestens zum 01.01.2009 sind Energieausweise jedoch zwingen auf Basis des Energiebedarfs anzufertigen, wenn die Immobilie nicht weniger als fünf Wohnungen hat und der Wärmeschutzverordnung von 1977 entspricht. In diesem Fall besteht eine Wahlfreiheit zwischen den beiden Varianten.


Energieausweis auf Basis des Energieverbrauchs (§19 EnEV 2009)

Für den verbrauchsorientierten Ausweis werden mindestens die Heizkostenabrechnungen der letzten drei Jahre bzw. andere geeignete Verbrauchsdaten verwendet. Die Angabe des Energieverbrauchskennwerts erfolgt in Kilowattstunden pro Quadratmeter Gebäudenutzfläche und Jahr (kWh / (m2 * a)).

Gebäudenutzfläche
Die Gebäudenutzfläche kann bei Wohngebäuden mit bis zu zwei Wohnungen mit beheiztem Keller pauschal mit dem 1,35-fachen Wert der Wohnfläche, bei sonstigen Wohngebäuden mit dem 1,2-fachen Wert der Wohnfläche angesetzt werden.

Energieverbrauch
Die Verbrauchte Energiemenge in Kilowattstunden für ein Jahr berechnet sich aus der verbrauchten Menge Heizmaterial multipliziert mit Heizwert (in kWh) pro Mengeneinheit.

Die Heizwerte für die verschiedenen Heizmaterialien sind in folgender Tabelle dargestellt:

Energie pro Mengeneinheit Heizmaterial
Quelle: Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung


Der Energieverbrauchskennwert wird im Energieausweis folgendermaßen dargestellt:

Energieverbrauchskennwert 
Quelle: Deutsche Energie-Agentur GmbH

 

Witterung
Längere Leerstände, wie auch die Witterung sind in der Berechnung des Energieverbrauchskennwerts angemessen zu berücksichtigen.

Für die Berechnung der im Energieverbrauchskennwert verwendeten Klimafaktoren werden zunächst die Gradtage bestimmt. Hierfür wird täglich die mittlere Außentemperatur bestimmt und insofern diese unter 20°C liegt die Differenz hierzu gebildet (Angabe in Kelvin). Die Gradtage berechnen sich aus der Summe aller dieser Differenzen über einen bestimmten Zeitraum hinweg. 

Ein um die Witterung bereinigter Heizenergieverbrauchswert ergibt sich nach folgender Formel:

EVH = EVgH * Gm / G

mit

EVH = Bereinigter Heizenergieverbrauch (kWh / a)
EVgH = Außentemperaturabhängiger Heizenergieverbrauch (kWh) => tatsächlicher Energieverbrauch
Gm = Langjähriges Mittel der Jahresgradtage (K * d / a)
G = Gradtage (K * d)

Siehe hierzu EnergieAgentur.NRW/Witterungsbereinigung.

 

Berechnung des Einflusses der Witterung auf den Energieverbrauch
Der Einfluss der Witterung auf den Energieverbrauch bezieht sich zunächst nur auf die Heizung (in warmen Regionen wird weniger geheizt, als in kalten Regionen). Es wird folgende Berechnung für jeweils 12 Monate angestellt:

 

  • Evb-Heizungwb = Evb-Heizung * Klimafaktor
  • Energieverbrauchskennwert = (Evb-Heizungwb + Evb-Warmwasseraufbereitung) / Gebäudenutzfläche / 1 Jahr
    (Evb = Energieverbrauch, wb = witterungsbereinigt)

 

(Die im Ausweis verwendeten Klimafaktoren können unter www.dwd.de/klimafaktoren als Excel-Datei für alle Postleitzahlengebiete in Deutschland herunter geladen werden.)

 

Berechnung der Zuschläge bei Leerständen

Sollten im betrachteten Zeitraum z.B. einzelne Wohnungen leer gestanden haben, werden entsprechende Zuschläge berechnet, so dass der Energieverbrauchskennwert sich immer auf eine voll bewohnte Immobilie bezieht.

Auch hier wird zwischen Heizung und Warmwasseraufbereitung differenziert:
(Berechnung bezogen auf 12 Monate)

 

  • Evb-Zuschlag Heizung = 0,5 * Leerstandsfaktor * Evb-Heizung
  • Evb-Zuschlag Warmwasser = Leerstandsfaktor * Evb-Warmwasser

 

  • Leerstandsfaktor = leer stehende Wohnfläche * 1,2 bzw. 1,35-fache / Gebäudenutzfläche * Dauer des Leerstands in Monaten / 12 Monate

 

  • Energieverbrauchskennwert = Evb-Heizungwb + Evb-Warmwasser + Evb-Zuschlag Heizung + Evb-Zuschlag Warmwasser

 

Für eine Berechnung über mehrere Jahre (mindestens 36 Monate) können entsprechende Mittelwerte gebildet werden (Summe der Energieverbrauchskennwerte pro Jahr / Anzahl der Jahre).

 

Die Regeln für die Berechnung der Energieverbrauchskennwerte laut dem Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung können Sie hier downloaden:

Juli 2007

Juli 2009

 

Kritik

  • Eine auf Verbrauchsdaten basierte Berechnung hängt selbstverständlich auch vom Verbrauchsverhalten der Bewohner der Immobilie ab. Dementsprechend ist der Energieverbauchskennwert nur bedingt objektiv.
  • Der verbrauchsorientierte Wert ist ein Durchschnittswert über die gesamte Immobilie. Die Verbräuche und damit auch die Kosten könne variieren, wenn eine Wohnung zum Beispiel viel Fassadenfläche hat. Die Heizkosten dürften hier höher liegen, als bei einer Wohnung, die von den sie umgebenen Wohnung mit geheizt wird.

Energieausweis auf Basis des Energiebedarfs (§18 EnEV 2009)

Der Energiebedarf ist der gesamte, bei benötigte Energiebedarf eines Wohngebäudes, der für die Heizung, Warmwasseraufbereitung und Kühlung des Gebäudes gebraucht wird. Bei der Ermittlung werden Energieverluste (z.B. Wärmeverluste) als auch Hilfsenergien (z.B. elektrischer Strom für die Anlagentechnik) berücksichtigt.  

Gebäude
In die Ermittlung des Energiebedarfs fließen gebäudetechnische Kriterien wie

  • Umfassungsflächen (Außenwände),
  • Dachflächen,
  • Bodenplatten,
  • Außenbauteile und
  • Anlagentechnik ein.

Die Daten können aus Plänen und Beschreibungen des Gebäudes entnommen werden.

Gebäudenutzfläche
Die Gebäudenutzfläche berechnet sich wie folgt:

AN = V * 0,32 / m

mit

AN = Gebäudenutzfläche (m2)
V = Von der wärmeübertragenen Umfassungsfläche umschlossenes, geheiztes Gebäudevolumen (m3).

Beträgt die durchschnittliche Geschosshöhe eines Wohngebäudes, gemessen von der Oberfläche des Fußbodens bis zur Oberfläche des Fußbodens des darüber liegenden Geschosses mehr als 3 Meter oder weniger als 2,50 Meter, berechnet sich die Gebäudenutzfläche wie folgt:

AN = (1 / hG - 0,04 / m) * V

mit

hG = Geschossdeckenhöhe (m)

Nutzungsverhalten und Witterung
Der Energiebedarf wird unter der Annahme eines standardisierten Nutzungsverhaltens und durchschnittlichen Klimas errechnet.

 

Die bei der Berechnung berücksichtigen Einflussfaktoren sind in folgender Graphik dargestellt:

Einflussfaktoren Bedarfsrechnung Energieausweis
Quelle: Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung

 

Der unter diesen Kriterien ermittelte Energiebedarf wird folgendermaßen im Energieausweis dargestellt:

Energieausweis Endenergiebedarf
Quelle: Deutsche Energie-Agentur GmbH

 

Endenergiebedarf

Der Endenergiebedarf wird, wie auch bei der verbrauchsorientierten Betrachtung in kWh/(m2*a) angegeben. Er gibt an, wieviel Energie pro Jahr und Quadratmeter Gebäudenutzfläche für die Heizung, Lüftung und Warmwasseraufbereitung benötigt wird.

Primärenergiebedarf

Der Primärenergiebedarf (Gebäude Ist-Wert) berücksichtigt neben dem Endenergiebedarf auch die Verluste, die für die Erstellung und den Transport des Energieträgers bis zum Gebäude hin anfallen.

Erneuerbare Energien werden vom Primärenergiebedarf wieder abgezogen (§ 5 EnEV 2009).

CO2-Emissionen

Die Angabe der CO2-Emissionen ist freiwillig.

EnEV-Anforderungswert

Der EnEV-Anforderungswert ist dieser Wert, den ein Referenzgebäude gleicher Geometrie, Gebäudenutzfläche und Ausrichtung jedoch mit vorgegebenen Qualitäten bezüglich der Gebäudeteile hätte. 

Energetische Qualität der Gebäudehülle

Es handelt sich um ein Maß für die energetische Qualität der wärmeübertragenden Umfassungsfläche bzw. deren spezifischen Transmissionswärmeverlust (HT). 

 

S. hierzu EnEV 2009, Anlage 1, Anforderungen an Wohngebäude: 

 

Dem Energieausweis auf Basis des Energiebedarfs sind verschiedene Empfehlungen zur Modernisierung anhängig. Diese sind jedoch nicht zwingend durchzuführen, sondern dienen lediglich der Information. Zudem werden die Einsparungen im End- als auch Primärenergiebedarf berechnet.

 

Die Empfehlungen und die Berechnung der energetischen Einsparungen sind folgendermaßen gestaltet:

 Energieausweis Empfehlungen zur Modernisierung
 Energieausweis Empfehlungen zur Modernisierung - Variantenvergleich
Quelle: Deutsche Energie-Agentur GmbH

Die Empfehlungen zur Modernisierung sind nicht verpflichtend sondern dienen nur der Information.

 

Kritik

Auch der Endenergiebedarf entspricht nicht zwangsläufig dem tatsächlichen Energiebedarf. Da der Wert unter der Annahme einer standardisierten Nutzung ermittelt wird, kann er maximal für eine grobe Einschätzung des Energiebedarfs und letztendlich der Kosten genutzt werden. Für einen Vergleich von Wohnimmobilien in Bezug auf den Energiebedarf erscheint der bedarfsorientierte Energieausweis jedoch besser geeignet als die verbrauchsorientierte Version.

Anlagen

  • Anbei finden Sie ein vollständiges Muster für einen Energieausweis (verbrauch- als auch bedarfsorientiert):
    (Quelle: Deutsche Energie-Agentur GmbH)
  • sowie eine ausführliche Broschüre zum Energieausweis:
    (Quelle: Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung)

Interne Links

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Zuletzt aktualisiert am Sonntag, 06. Februar 2011 um 21:38 Uhr
 
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