Tagesgeldkonto
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Beschreibung

Die einfachste Form Geld renditeträchtig anzulegen, bieten die von einer Vielzahl von Banken angebotenen Tagesgeldkonten. Sie dienen Banken zur Kapitalbeschaffung. Anstatt Geld von der Europäischen Zentralbank zu leihen, tun die Banken dasselbe von Privatpersonen, jedoch zu einem günstigeren Zinssatz. Aus diesem Grund bleibt der angebotene Zinssatz für Tagesgeld immer unter dem Leitzins der Europäischen Zentralbank (Hauptrefinanzierungszinssatz), nähert sich durch den Wettbewerb aber tendenziell so nahe wie möglich an.
Eine besondere Form des Tagesgeldes bietet die Tagesanleihe des Bundes.

 

Tagesgeldkonten verhalten sich ähnlich wie altbekannte Sparbücher. Die angebotenen Zinssätze liegen jedoch wesentlich höher (Ø ca. 3% anstatt 0,5% für Sparbuchguthaben). Die Angabe eines Referenzkontos ist für die Eröffnung eines Tagesgelkontos leider unumgänglich. Praktischer Weise kann hierfür das bestehende Girokonto genutzt werden, welches dann das einzige Konto ist, auf das Zahlungen vom Tagesgeldkonto aus überwiesen werden können. Das Tagesgeldkonto lässt sich also leider nicht als hochverzinstes Girokonto verwenden, es eignet sich jedoch hervorragend zum ansammeln von Kapital, wie es in den Artikeln "Finanzlogistik" und "Strategie" beschrieben wird.

 

 

Ein Tagesgeldkonto hat folgende Merkmale:

  • Zinssatz
  • Jährliche, vierteljährliche oder monatliche Zinsgutschrift
  • eventuell ein Limit der Höhe des zum angegeben Zinssatz verzinsten Kapitals
  • Zeitlich begrenzte Sonderkonditionen für Neukunden
  • Einlagensicherung

 

Die Ausstattung des Tagesgeldkontos mit der Einlagensicherung durch den Einlagensicherungsfonds sollte ein erstes Kriterium zur Wahl des Anbieters des Kontos sein. Anschließend ist der angebotene Zinssatz das vornehmliche Kriterium. Einige Banken werben mit sehr hohen Zinssätzen von vielleicht bis zu 6%. Diese Angebote sind jedoch meist zeitlich auf zum Beispiel sechs Monate begrenzt (Neukunden-Konditionen). An dieser Stelle sei also geraten sich nach dem Zinssatz zu erkundigen, der nach Ablauf der Werbeaktion gilt. Dieser "echte" Zinssatz bietet eine bessere Vergleichsgrundlage, will man sich einen ständigen Papierkrieg auf der Suche nach dem immer besten Zinssatz ersparen. Abschließend können auch Zeitreihen der Zinssätze verschiedener Anbieter verglichen werden um erkennen zu können, wer die größte Stabilität in seinem Zinssatz gewährleistet.

Neben der im Normalfall anzutreffenden Verzinsung des Guthabens auf Tagesbasis (Zinsmethode (act/360)) gibt es noch weitere Varianten. Es werden zum Beispiel Zinsstaffelungen angeboten, bei denen für zum Beispiel die ersten 5.000 € 2,5%, für die nächsten 5.000 € 3% Zinsen usw. gezahlt werden. Es gibt auch Verzinsungsmodelle, bei denen das Geld erst einen bestimmten Zeitraum von zum Beispiel vollen drei Monaten auf dem Konto ruhen muss, bevor der angebotene Zinssatz angewendet wird. 

Eine weitere Einschränkung besteht in einem evtl. angegebenen Limit der Höhe des zum angegeben Zinssatz verzinsten Kapitals von zum Beispiel 20.000 €. Dieses mag jedoch für die Wahl des Tagesgeldkontos nicht von entscheidender Bedeutung sein, da angespartes Kapital in dieser Höhe vermutlich schon in andere Investitionen fließen wird.

 

Rendite

Die Rendite eines Tagesgeldkontos entspricht ziemlich genau dem angegebenen Zinssatz p.a.

Die Berechnung der Zinsen für ein Tagesgeldkonto geschieht nach der taggenauen Zinsmethode (act/360). Laut dieser Methode werden jedem Monat 30 Tage und dadurch jedem Jahr 360 Tage zugeordnet. Die Zinsgutschrift für einen als pro Jahr geltenden Zinssatz (z.B. 3% p.a.) wird folglich auf 360 Tage aufgeteilt (/ 360) und anschließend der so ermittelte Zins pro Tag mit der Anzahl der tatsächlich angefallenen Tage in einem Jahr multipliziert (z.B. * 365). Die Zinsgutschrift für 1.000 € eingezahltes Kapital, die am 01. Januar eines Jahres zu einem Zinssatz von 3% angelegt werden, berechnet sich demnach wie folgt:

Zinsgutschrift nach einem Jahr = Anlagebetrag * Zinssatz / 360 * Anzahl Tage im Jahr
<=> Zinsgutschrift nach einem Jahr = 1.000 € * 3% / 360 * 365          l Umformung
<=> Zinsgutschrift nach einem Jahr = 1.000 € * 3% * (365 / 360)
<=> Zinsgutschrift nach einem Jahr = 30 € * 1,0138... = 30,4166... € ≈ 30,42 €

Die Umformung der Formel dient der Angleichung an den Namen der Zinsmethode "(act/360)" und entspricht lediglich dem Tausch in der Rechenreihenfolge von / 360 * 365 zu * 365 / 360, was mathematisch dasselbe Ergebnis ergibt.

Im Beispiel ergibt die Zinsgutschrift nach einem Jahr genau 30,42 €. Zum Stichtag der Gutschrift werden die angefallenen Zinsen immer auf den vollen Cent aufgerundet. 

 

Nach der Zinsmethode (act/360) ist definitionsgemäß auch eine taggenaue Zinsberechnung möglich (act steht für engl. actual, zu Deutsch: aktuell). Laut der Methode fällt der Zinssatz p.a. immer nach genau 360 Tagen an. Aus diesem Grund kann die Zinsgutschrift nach 360 Tagen ausgerechnet (Anlagebetrag * Zinssatz) und die anfallenden Zinsen für einen einzelnen von 360 Tagen bestimmt werden (Anlagebetrag * Zinssatz / 360). Dieser Zins pro Tag wird dann mit der Anzahl der Tage multipliziert, die das Geld auf dem Tagesgeldkonto ruht (Anlagebetrag * Zinssatz / 360 * Anzahl Tage).

 

Die Anzahl der Tage, die das Geld vom 01. Januar bis zum Beispiel zum 20. Januar auf dem Konto ruht ist 20 - 1 = 19 Tage. Die angefallenen Zinsen für in diesem Zeitraum zu zum Beispiel 3% p.a. angelegten 1.000 € belaufen sich auf:

 

Zinsgutschrift = Anlagebetrag * Zinssatz * (Anzahl Tage / 360)

<=> Zinsgutschrift = 1.000 € * 3% * (19 / 360)

<=> Zinsgutschrift = 30 € * 0,0527... = 1,5833... € ≈ 1,59 €

 

Mit Hilfe dieser Formel lässt sich auch eine vierteljährliche und monatliche Zinsgutschrift rekonstruieren. Es muss lediglich der Zeitraum bestimmt werden, nach dem eine Zinsgutschrift erfolgt. Anschließend verzinst sich das ursprüngliche Kapital plus die angefallenen Zinsen (unterjähriger Zinseszins).

In der nachfolgenden Tabelle werden die Zinsen für die unterschiedlichen Zeiträume der Zinsgutschrift für ein Startkapital von 5.000 € berechnet. Da keine Ein- oder Auszahlungen vorgenommen werden, lässt sich der effektive Jahreszins als Division von den in Summe gutgeschriebenen Zinsen bezogen auf das Startkapital (5.000 €) berechnen (eff. Jahreszins = Zinsen / Startkapital).

 

 

Die Berechnung der effektiven Jahreszinssätze lässt erkennen, dass zwischen den Varianten gar nicht so viel Unterschied besteht. Im Beispiel unterscheiden sich die effektiven Jahreszinsen von monatlicher und jährlicher Zinsgutschrift lediglich um 3,051% - 3,008% = 0,042%. Die Differenz gilt unabhängig des sich auf dem Konto befindlichen Kapitals. Verändert sich jedoch der Zinssatz, wird ein Konto mit monatlicher Zinsgutschrift umso attraktiver, je höher der Zinssatz ist. Anhand der oben aufgestellten Berechnung ergeben sich folgende Differenzen von monatlicher zu jährlicher Zinsgutschrift abhängig vom Zinssatz:

 

 

Wie in der Tabelle abzulesen ist, beträgt die Differenz zwischen den Verzinsungs-Varianten, selbst bei einem Zinssatz von 10%, nicht mehr als 0,5% p.a. Nichtsdestotrotz birgt die monatliche Zinsgutschrift bei gleichem Zinssatz im Vergleich mit vierteljährlicher und jährlicher Zinsgutschrift einen, wenn auch nur kleinen, Vorteil. Zudem mag es auch einfach Spaß machen, den Erfolg durch angespartes Kapital jeden Monat aufs Neue zu erkennen.

 

 

Fazit

Ein Tagesgeldkonto ist die erste Maßnahme, die ergriffen werden kann um Geld anzusparen. Die Eröffnung per Post-Ident-Verfahren erfordert nur einen kleinen Aufwand und das notwendige Referenzkonto besteht in Form des Girokontos meist ohnehin. Dazu kommt, dass bei vielen Banken das Tagesgeldkonto als Verrechnungskonto für ein Aktiendepot genutzt werden kann. Einzig die Eingabe von Login-Daten und Tan-Nummern kann, aber auch nur bei häufiger Verwendung, recht mühselig sein. Auf dieses Mindestmaß an Sicherheit soll und kann aber auch nicht verzichtet werden.
Im Rahmen der Finanzlogistik ist ein Tagesgeldkonto die ideale Anlageform, nicht nur um Kapital anzusparen, sondern um zwischenzeitlich auch noch relativ attraktive Zinsgutschriften zu erhalten. Zudem kann aufgrund der täglichen Verfügbarkeit hier auch eine Kapital-Reserve für Notfälle hinterlegt werden.

 

Ein Tagesgeldkonto, das wir empfehlen können, ist das Extra-Konto von der Ing-Diba. Die Bank bietet eine sehr gute Absicherung der Einlagen als auch ein kostenloses Aktien-Depot, das bei Bedarf an das "Extra-Konto" angeschlossen werden kann (www.ing-diba.de).

 

Eine Aufstellung einer vielleicht vollständigen Liste aller Tagesgeldkonten mit den entsprechenden Konditionen finden Sie bei der FMH-Finanzberatung. FMH erhält laut eigener Aussage keine Vermittlungsprovision und ist damit unabhängig.

TIPP: Wählen  Sie bei "Angebote, die nur für Neukunden gelten": NEIN. Auf diese Weise vergleichen Sie die "echten" Zinssätze.

 

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Zuletzt aktualisiert am Sonntag, 06. Februar 2011 um 21:22 Uhr